Donau Soja – eine Chance für die Entwicklung von Sojabohnen in Bulgarien
Author(s): доц. д-р Георги Георгиев
Date: 07.06.2015
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Aus historischer Sicht ist die Entwicklung von Sojabohnen in Bulgarien durch Aufschwungphasen von 1934 bis 1940 (700.000 Dekar) und von 1975 bis 1985 (über 900.000 Dekar) sowie durch Niedergangsphasen gekennzeichnet – stark reduzierte Anbauflächen mit einer Produktion unter 15–20 Tausend Dekar, wie es derzeit der Fall ist. Die Analyse der Aufschwungphasen der Sojabohne zeigt, dass wirtschaftliche Anreize der Haupttreiber für die Sojaentwicklung in Bulgarien waren. 1934 wurde in unserem Land die bulgarisch-deutsche Handelsaktiengesellschaft "Soya" für Produktion und Export gegründet. Das Unternehmen stellte den Erzeugern im Voraus Saatgut und das Bakterienpräparat Nitragin zur Verfügung und kaufte die Sojabohnen primär für den Export nach Deutschland auf. Obwohl die Erträge nicht hoch waren (die Hauptsojasorte war Ungarisch Klein), stimulierten der garantierte Ankauf und der gute Preis auch kleine Erzeuger, die Sojabohnen auf kleinen Flächen in ihren Höfen anbauten. Dieses erfolgreiche Modell hielt jedoch nur bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs an.
In der Zeit von 1975–1985 fand unter den Bedingungen der Planlandwirtschaft eine Konzentration und Spezialisierung der Sojaproduktion in 12 Bezirken Nordbulgariens statt. Eine neue wissenschaftlich fundierte Industrie-Technologie für die Sojaproduktion und neue eingeführte amerikanische Sorten (Hudson, Bison, Wayne, Williams, Amsoy, S-1346 usw.) wurden umgesetzt. Aber auch in dieser Periode waren die vom Staat unternommenen wirtschaftlichen Anreize führend, nämlich: die Deckung des Bedarfs des sich rasch entwickelnden Viehwirtschaftssektors mit einer eigenen Proteinquelle, die Anrechnung von obligatorischen staatlichen Ablieferungen von Futtergetreide durch Sojabohnen (1 kg abgelieferte Sojabohnen wurden mit 2,5 kg Futtergetreide verrechnet), ihr Ankauf und ihre Verarbeitung in den Ölmühlen für Sonnenblumen war garantiert. Investitionen in wissenschaftliche Programme und Projekte im Zusammenhang mit Soja und bewässerter Landwirtschaft waren in dieser Zeit ebenfalls eine Hauptpriorität des Staates.
Das Projekt "Donau Soja" wurde 2012 vom "Österreichischen Sojaverband" und dem "Verband Donau Soja" initiiert. Das Ziel ist die Verbesserung der europäischen Proteinversorgung im Rahmen einer umfassenden Strategie auf Basis interner Ressourcen. Am 23.08.2013 unterzeichnete der Minister für Landwirtschaft und Ernährung Prof. Dimitar Grekov in Moravske Toplice, Slowenien: "Erklärung zur regionalen Zusammenarbeit mit den Ländern der osteuropäischen Donauregion zur Ausweitung der Produktion von Eiweißpflanzen".
Beim Sojakongress in Augsburg (25.–26.11.2013) unterzeichnete Vize-Minister Burhan Abazov im Namen Bulgariens ebenfalls die "Donau Soja"-Erklärung, welche die volle und gleichberechtigte Teilnahme unseres Landes an der "Donau Soja"-Initiative garantierte. In der Praxis wurde Bulgarien damit eines der 17 Länder aus dem weiteren Donauraum, die am Projekt teilnehmen.
Sojabohnen und andere Hülsenfrüchte sind aus agroökologischer Sicht (Boden- und Wasserschutz – Maßnahme 214) und aus agronomischer Sicht (im Zusammenhang mit der Fruchtfolge und ihrer positiven Einflussnahme als Vorfrucht) vorgesehen, mit einer 2%igen Prämie für Eiweißpflanzen in der nächsten Programmperiode gefördert zu werden, und werden einen zunehmend größeren Anteil in der Rotation mit anderen Feldfrüchten einnehmen.
Beim Abschluss des zweiten Sojakongresses in Augsburg, Deutschland (Donau Soja und Europäische Proteindebatte, 2013), zog Matthias Krön – Vorsitzender des Verbands Donau Soja, die folgende zusammenfassende Analyse, die für die Bedeutung der Initiative bezeichnend ist: "Donau Soja ist ein Prozess, der sich entwickelt und umfassende Maßnahmen und Lösungen von allen Beteiligten erfordert – Politiker, Erzeuger, Händler, Verarbeiter, Verbraucher. Regionale Zusammenarbeit und der Wille zum Wandel auf allen Ebenen – vom Hof bis auf den Teller – sind sehr wichtig. 'Donau Soja' ist die letzte Chance für eine GVO-freie Sojaproduktion in Europa. 'Donau Soja' verändert die Landwirtschaft, verändert Lebensmittel, verändert Gewohnheiten, verändert Europa als Ganzes."
