''Die Zukunft der Eiweißpflanzen in der EU: Strategien für Nachhaltigkeit im Kontext des Klimawandels''

Author(s): Растителна защита
Date: 04.05.2026      360

Die Produktion von Eiweißpflanzen in der Europäischen Union steht an einem strategischen Scheideweg. Einerseits wächst die Nachfrage nach pflanzlichen Proteinen für Futter- und Lebensmittel, andererseits hinkt die lokale Produktion hinterher, was Europa in eine starke Abhängigkeit von Sojaimporten bringt. Laut dem neuesten Bericht der Expertengruppe des EU-GAP-Netzwerks erfordert die Überwindung dieses Defizits nicht nur mehr Anbauflächen, sondern einen umfassenden systemischen Wandel, der an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst ist.

Das Proteindefizit des alten Kontinents

Der historische Rückgang des Anbaus von Eiweißpflanzen in Europa ist größtenteils auf die weit verbreitete Verwendung von synthetischen Stickstoffdüngern zurückzuführen, die den wirtschaftlichen Anreiz für den Anbau von stickstofffixierenden Leguminosen im Boden verringerte. Bezeichnend ist die Tatsache, dass im Jahr 2022 fast 24 % der Körnerleguminosen in der EU unter ökologischen Anbaubedingungen produziert wurden (die für die Stickstofffixierung auf sie angewiesen sind), obwohl der ökologische Landbau nur 9,1 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmacht.

Heute ist die Produktion von Eiweißpflanzen in der EU aufgrund ihrer geringen wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu anderen Kulturen und billigen Importen, hauptsächlich von Sojabohnen, begrenzt.

Um diese Abhängigkeit zu verringern, sind sowohl eine Steigerung der lokalen Produktion durch bessere Sorten und die Einführung alternativer Leguminosenkulturen als auch eine Verschiebung hin zu Ernährungsweisen mit mehr pflanzlichen Proteinen und die Extensivierung der Tierhaltung erforderlich.

Der Bericht stellt klar fest, dass das Problem nicht allein durch Technologie gelöst werden kann. Der Ersatz aller Importe durch lokale Produktion ist aufgrund klimatischer und wirtschaftlicher Zwänge unrealistisch. Erforderlich ist eine Veränderung der Lebensmittelsysteme selbst und der Verbrauchergewohnheiten.

Herausforderungen entlang der Wertschöpfungskette: Vom Saatgut bis zum Markt

Experten identifizieren drei Hauptgruppen von Hindernissen für Landwirte:

Vorerzeugung (Saatgut):

Es mangelt an Sorten, die gut an spezifische lokale Bedingungen angepasst sind. Die kommerzielle Züchtung konzentriert sich hauptsächlich auf Massenkulturen wie Erbsen und Sojabohnen, während weniger verbreitete Arten (Lupinen, Platterbsen) aufgrund fehlenden finanziellen Interesses unterentwickelt bleiben.

Lupine

Lupinen (Lupinus) sind eine Gattung von Blütenpflanzen in der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Die Gattung umfasst über 200 Arten, wobei die größte Vielfalt in Nord- und Südamerika beobachtet wird. Sie kommen auch in Nordafrika und der Mittelmeerregion vor. Sie werden in vielen Ländern sowohl als Nahrungsmittel als auch als Zierpflanzen angebaut.

Darüber hinaus haben Landwirte oft keinen Zugang zu Informationen über wichtige Sortenmerkmale wie Standfestigkeit, Dreschleichtigkeit oder die Kochzeit der Samen.

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Samen

Lupinensamen. Lupine kann Speisen sowohl süß als auch herzhaft verfeinern und traditionell fermentierte Lebensmittel, Backwaren und Saucen aromatisieren. Lupinengerichte sind in Europa am häufigsten, besonders in Portugal, Spanien, Griechenland und Italien.

Auf Betriebsebene (Agronomie und Rentabilität): Der Anbau von Eiweißpflanzen führt oft zu geringeren Gewinnen. Vielen Betrieben fehlt die notwendige spezialisierte Maschinerie für Aussaat, Ernte und Verarbeitung der Ernte. Es mangelt auch an praktischem Wissen über Bodenmanagement und Krankheitsbekämpfung bei diesen Kulturen.

Nachernte (Märkte und Verarbeitung): Landwirte erhalten einen zu geringen Anteil an der Wertschöpfung, da Verarbeitung und Vermarktung außerhalb des Betriebs stattfinden. Auf europäischer Ebene herrscht ein ernsthafter Mangel an regionaler Infrastruktur für Reinigung und Verarbeitung, was den Direktverkauf erschwert.

Klimawandel: Eine Bedrohung, aber auch ein Katalysator für Innovation

Der Klimawandel erhöht den Druck durch Dürren, Hitze und Schädlinge. Dennoch schafft er auch neue Chancen. Der Bericht stellt fest, dass sich die typischen Zonen für bestimmte Kulturen weiter nach Norden verschieben werden. Es eröffnen sich auch Möglichkeiten für den Anbau weniger populärer Kulturen, die weniger Wasser benötigen und dürreresistent sind.

Platterbse

Die Platterbse (Lathyrus) ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Sie wird am häufigsten als Futtermittel verwendet.

Beispiele für alternative Kulturen: Kichererbse wird als dürretolerante Alternative zur Eiweißerbse genannt (obwohl sie bei hoher sommerlicher Luftfeuchtigkeit ein Risiko birgt). Es wird aber auch auf die Platterbse (Lathyrus sativus) aufmerksam gemacht – eine dürretolerante Kultur, die in vielen EU-Regionen angebaut werden kann, aber noch nicht kommerziell gezüchtet wird.

Früchte

Die Platterbse ist eine Eiweißpflanze und wird nicht nur als Futtermittel, sondern auch für die menschliche Ernährung verwendet. Aus den reifen Samen wird Mehl hergestellt, das, wenn es Weizenmehl zugesetzt wird, den Nährwert und die Qualität von Brot- und Teigwaren erhöht.

Der Bericht stellt spezifische Lösungen und reale Beispiele vor, wie Landwirte mit dem Klimawandel und wirtschaftlichen Hürden umgehen können.

A. Saatgut und Zugang zu Informationen

Die Auswirkungen des Klimawandels sind unvorhersehbar; daher muss die Sortenzüchtung anpassungsfähige Merkmale wie Frühreife, tiefe Wurzelsysteme und Kältetoleranz priorisieren.

Beispiel: SeedLinked ist eine digitale Plattform (die hauptsächlich für Gemüsesamen in den USA verwendet wird) zum Sammeln und Teilen von Daten aus partizipativen Sortenversuchen von Landwirten sowie zum Austausch von Informationen über Saatgutquellen. Der Bericht legt nahe, dass ein ähnliches Werkzeug für Eiweißpflanzen EU-Landwirte bei der Auswahl geeigneter Sorten unterstützen könnte.

Legume Hub ist eine europäische, mehrsprachige Open-Access-Plattform, die für den Austausch von Expertenwissen und bewährten Verfahren im Zusammenhang mit dem Anbau, der Verarbeitung und der Nutzung von Leguminosenkulturen konzipiert wurde. Die Plattform zielt darauf ab, die nachhaltige Entwicklung von Lebensmittelsystemen in Europa zu unterstützen, indem sie zeitnahe, wissenschaftlich fundierte und praktische Informationen bereitstellt. Sie erleichtert die Verbindung zwischen wissenschaftlicher Forschung und praktischer Anwendung in landwirtschaftlichen Betrieben.

B. Verarbeitung im Betrieb

Die Verarbeitung vor Ort (z. B. Schälen, Rösten, Saatgutreinigung) ermöglicht es Landwirten, einen größeren Anteil an der Wertschöpfung zu behalten und ihre Rentabilität und Selbstversorgung zu steigern. Ein großes Hindernis sind hier die Kosten für die Ausrüstung, weshalb gemeinsame Investitionen von Genossenschaften und der Einsatz erschwinglicher Maschinen empfohlen werden.

Beispiel: Scotston Farm (Schottland) produziert fast ihr gesamtes Futter aus Eiweißpflanzen vor Ort, und die tierischen Produkte werden dann lokal verkauft. Diese Selbstversorgung mit Eiweißfutter trägt sowohl zur wirtschaftlichen Nachhaltigkeit des Betriebs als auch zu seiner ökologischen Stabilität bei.

C. Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten

Zusammenarbeit und eine gemeinsame regionale Identität sind der Schlüssel zum Marktzugang.

Beispiel: Die Initiative "Eiwitboeren van Nederland" (Niederlande). Der Bericht veranschaulicht ihre Kette, die eine direkte Verbindung zwischen Landwirten und Endabnehmern herstellt (durch eine allgemeine Vereinbarung) und so mehrere Zwischenhändler eliminiert. Dies ermöglicht es Landwirten, neue Produkte zu vermarkten und eine größere Kontrolle über die Preise auszuüben.

Leitlinien für die Zukunft

Der Bericht empfiehlt die Einrichtung von Operationellen Gruppen, um spezifische Probleme vor Ort zu lösen. Zu den vielversprechendsten Ideen gehört die Einrichtung von Netzwerken zum Testen von Kichererbsen in Nordeuropa, um das fehlende Interesse kommerzieller Züchter und die hohen Saatgutkosten zu überwinden.

Entwicklung von Methoden des integrierten Pflanzenschutzes in Südosteuropa/Rumänien, um durch den Klimawandel verschärfte schwere Schädlingsbefälle (z. B. Rüsselkäfer) durch Tests neuer ökologischer Pflanzenschutzmittel zu bekämpfen.

Integration von Leguminosen in die Brau- und Brennindustrie in Irland und Schottland. Die Idee ist, die bestehende Infrastruktur von Landwirten mit Brenn- oder Braukapazitäten zu nutzen, um Bier oder Spirituosen aus Leguminosen herzustellen und so hochwertige Produkte für den menschlichen Verzehr zu schaffen, während die Nebenprodukte als Futtermittel verwendet werden.

Gesamtfazit und Analyse

Die Hauptbotschaft des Berichts ist, dass die Steigerung der Produktion von Eiweißpflanzen in der EU nicht nur eine technische oder wirtschaftliche Herausforderung ist, sondern einen systemischen Wandel erfordert. Der Erfolg hängt von einer engen Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Forschern, Verarbeitern und Verbrauchern ab. Ohne Wissensaustausch sowie die Entwicklung von Produkten, die der Marktnachfrage entsprechen, werden die Bemühungen um Europas Proteinunabhängigkeit stark eingeschränkt bleiben.

Durch die Umsetzung von Innovationen und die Verkürzung der Lieferketten können europäische Landwirte Eiweißpflanzen in eine nachhaltige und profitable Säule ihrer Betriebe verwandeln.


Den vollständigen Bericht können Sie HIER lesen und herunterladen.