Mit einer groß angelegten Ausstellung von 70 Rebsorten markierte das Institut für Weinbau und Önologie (IVE) in Plewen den Beginn der vierten Ausgabe des Festivals „Zeit für Wein" für Wein und bäuerliche Köstlichkeiten. Die Veranstaltung brachte Wissenschaft, Produzenten und Amtsträger zusammen und rückte die langjährige Arbeit der bulgarischen Züchter sowie die grundlegende Bedeutung der wissenschaftlichen Forschung für die Entwicklung des Weinbau- und Weinsektors in den Fokus.

Wissenschaftlicher Beitrag und die Entwicklung der bulgarischen Züchtung

Während des Tages der offenen Tür, der den Muskateller-Sorten gewidmet war, präsentierte das IVE insgesamt 49 Exponate – 27 Tafeltrauben, 17 Keltertrauben und 5 aus neuen Züchtungsprogrammen. Die Sammlung wurde erheblich durch Sorten ergänzt, die vom Institut für Landwirtschaft in Kjustendil und vom Institut für Landwirtschaft und Saatgutwissenschaft – Obraztsov Chiflik bereitgestellt wurden.

Ein beeindruckender wissenschaftlicher Aspekt ist die Tatsache, dass nur etwa zehn aller 70 präsentierten Sorten nicht aus bulgarischer Züchtung stammen. Wie von Assoc. Prof. Dr. Iliyan Simeonov vom Institut in Plewen angemerkt wurde, bietet die Ausstellung eine einzigartige Gelegenheit, die Geschichte der einheimischen Züchtung in ihrer vollständigen chronologischen Reihenfolge zu verfolgen – von den ersten geschaffenen Sorten bis zu den modernsten wissenschaftlichen Errungenschaften.

Ein besonderer Schwerpunkt der Ausstellung lag auf den Muskateller-Sorten. Laut Assoc. Prof. Simeonov zählen sie weltweit zu den ältesten und ersten kulturell kultivierten und selektierten Rebsorten. In Bulgarien ist die älteste Vertreterin dieser Gruppe die Tamyanka, während international der Muskat Ottonel der bekannteste bleibt. Der „Code" des Muskatellers ist mit seinem DNA-Profil verbunden, das die Fähigkeit der Rebe bestimmt, spezifische aromatische Verbindungen in der Beerenhaut der Traube zu synthetisieren.

Die aus diesen Sorten hergestellten Weine zeichnen sich durch ein spezifisches und sehr gut ausgeprägtes Aroma aus, das sie weithin bekannt und bei Kennern beliebt macht.

Um tief in die Chemie des Weins und die biochemischen Prozesse in der Traube selbst einzutauchen, müssen wir genau wissen, was Terpene sind (und spezifischer, Monoterpene wie Linalool, Geraniol und Nerol), die das Muskateller-Aroma physisch erzeugen. Terpene sind organische Verbindungen, die Noten von Rose, Zitrusfrüchten, Orangenblüte und exotischen Gewürzen in Weinen verleihen. Sie kommen in Trauben in zwei Formen vor – frei (die wir sofort wahrnehmen) und gebunden (die erst während der Gärung „freigeschaltet" werden und dann ein Aroma entfalten). Neben der Schaffung eines unglaublichen Aromas haben Terpene wichtige biologische Funktionen. Für die Rebe selbst dienen sie als Abwehrmechanismus gegen Pilzkrankheiten und Schädlinge sowie als Anziehungspunkt für Bestäuber. Für den Menschen sind Terpene für ihre antioxidativen und antimikrobiellen Eigenschaften bekannt, was zusätzliche gesundheitliche Vorteile bietet.

Die beiden Vorträge am Tag der offenen Tür des IVE schufen ein vollständiges wissenschaftliches Porträt des Muskatellers:

„Das Rätsel der Muskateller-Sorten: Der Code eines Aromas", präsentiert von Assoc. Prof. Dr. Iliyan Simeonov.

„Aromatisches Potenzial und biologische Wirkungen von Terpenen", vorgetragen von Assoc. Prof. Dr. Dimitar Dimitrov.

Die Besucher des Tages der offenen Tür hatten die Möglichkeit, sich nicht nur mit den wissenschaftlichen Berichten vertraut zu machen, sondern auch Trauben verschiedener Sorten sowie ausgewählte Weine aus Muskateller-Sorten zu verkosten, die von bulgarischen Weingütern bereitgestellt wurden. An der Veranstaltung nahm auch der stellvertretende Landwirtschaftsminister Yanislav Yanchev teil, der die Rolle des Instituts bei der Erhaltung wertvollen genetischen Materials hoch lobte.

Wirtschaftliche Herausforderungen und die Antwort der Branche

Trotz der hohen wissenschaftlichen Errungenschaften und der guten Ernte in diesem Jahr stehen die Erzeuger vor ernsthaften Marktprüfungen. Die Nationale Vereinigung der bulgarischen Winzer (NABV) hat Alarm geschlagen, dass die Traubenernte bereits begonnen hat, der Traubenmarkt aber praktisch nicht existiert. Das schwache Interesse der Winzer und die angesammelten Mengen aus früheren Kampagnen lassen befürchten, dass die Einkaufspreise unter den Produktionskosten bleiben werden.

Zu den Hauptforderungen der Branche an das Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung (MLE) gehören die Klärung der Kriterien für den Ausschluss des Weinbaus von der De-minimis-Soforthilfe in Höhe von 42,6 Mio. EUR sowie die Gewährleistung einer angemessenen Krisenhilfe auf der Grundlage aktualisierter technologischer Karten. Die Winzer bestehen außerdem auf einer strengen Kontrolle der Traubenimporte, um den heimischen Markt zu schützen.

Staatliche Maßnahmen und Unterstützungsaussichten

Als Reaktion auf die Anspannung im Sektor stellte der stellvertretende Minister Yanislav Yanchev den Medien die konkreten Maßnahmen vor, die der Staat ergreift:

Finanzielle Unterstützung: Mittel sind im Rahmen der sogenannten „iranischen Hilfe" sowie im Rahmen der Liquiditätsintervention mit einem erwarteten Antragszeitraum Anfang 2027 vorgesehen, mit dem Ziel, dass die Gesamtressource mit nationaler Kofinanzierung 35 Mio. EUR erreicht.

Importkontrolle: Gemeinsame Kontrollen werden mit der Zollagentur und der Nationalen Agentur für Einnahmen an Fahrzeugen, Versanddokumenten, Rechnungen und deklarierten Produktionswerten durchgeführt.

Erweiterte Klimakompensation: Der Umfang der Unterstützung für Landwirte wird erweitert, und zusätzlich zu vollständig zerstörten Flächen (100 %) werden in diesem Jahr auch Betriebe mit über 30 % Produktionsverlust entschädigt.

Der stellvertretende Minister Yanchev betonte die Notwendigkeit, einen Marktpreis zu erreichen, der die Produktionskosten deckt, und rief die Erzeuger dazu auf, sich aktiv zu verbänden und zu kooperieren, um eine größere Nachhaltigkeit zu erreichen.